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Nochmal durchstarten Wie alte Menschen heute leben

Alt werden, was heißt das schon? Die Lebensphase Alter lässt sich heute nicht mehr eindeutig definieren. Jeder erlebt sie auf seine Weise. Wir wollen und können – zumindest teilweise – mitbestimmen, wie wir im Alter leben möchten. Über die „neuen Alten“ und drei Beispiele von Senioren, die nochmal richtig durchstarten.


Wenn heute von alten Menschen gesprochen wird, so existieren – je nach Anlass und Perspektiven – sehr unterschiedliche Vorstellungen. Klare Altersgrenzen führen nicht sehr weit, da „Altern“ medizinisch-gesundheitlich, sozial und psychisch als Prozess sehr unterschiedlich verläuft. Einen großen Einfluss auf Alternsprozesse und das Leben im Alter haben Merkmale sozialer Ungleichheit wie Bildung, Beruf und Einkommen. Gesellschaftlich wird der Beginn der „Lebensphase Alter“ durch den Eintritt in den Ruhestand bestimmt. Allerdings kann nicht von einer einheitlichen Lebensform in der folgenden – für manchen noch sehr langen – Lebenszeit gesprochen werden: „Junge Alte“ unterscheiden sich hier deutlich von „Hochaltrigen“ jenseits des 80. beziehungsweise 85. Lebensjahrs.

Allgemein sind die heute älteren Menschen im Vergleich zu früheren Altersgenerationen langlebiger, gesünder, selbständiger, finanziell besser ausgestattet und damit auch konsumfreudiger. Die Lebenserwartung steigt, und damit verlängert sich auch die Zeit des selbstständigen Lebens in der Lebensphase Alter, bevor Krankheit und Pflegebedürftigkeit zu Einschränkungen führen. Das Leben der jüngeren Alten wird zunehmend durch Verpflichtungen für die jüngere und die noch ältere Generation bestimmt, die eine „späte Freiheit“ einschränken können. Oft ist mit dem Leben im Ruhestand aber auch die Chance verbunden, alte Träume zu erfüllen, zu reisen oder etwas Neues zu beginnen. Insbesondere Seniorenreisen haben deutlich zugenommen, und Ältere wurden – bei gestiegener Kaufkraft – zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor. Ebenso wollen sie Bildung „nachholen“ oder versuchen über ehrenamtliche Tätigkeiten, den Kontakt „nach außen“ nicht abreißen zu lassen. Gut qualifizierte Ältere stellen ihr berufliches Expertenwissen für Projekte – teilweise auch im Ausland – zur Verfügung.

 

Voraussetzung für manche Aktivitäten im Alter ist allerdings eine ausreichende materielle Ausstattung. Zugenommen haben auch „Altenwanderungen“, wenn der Lebensmittelpunkt nach dem Erwerbsleben in südliche Länder (zum Beispiel nach Spanien) oder innerhalb Deutschlands in landschaftlich reizvollere Gegenden verlagert wird. Das Leben und die zeitlichen Freiheiten im Alter werden oft auch dazu genutzt, partnerschaftliche und familiäre Beziehungen zu erweitern und zu festigen. In der Regel leben die verschiedenen Generationen für sich. Zahlreiche Studien der Generationenforschung zeigen, dass das Verhältnis zwischen Jungen und Alten besser geworden ist. Seit der 68er Bewegung hat sich unser Verständnis von Autorität gelockert. Dadurch gibt es weniger Distanz zwischen den Generationen. Zudem leben beide Seiten selbstbestimmter. Wenn Alt und Jung heute in einem Haus zusammenleben, haben sie in der Regel  getrennte Lebensbereiche. Ältere und alte Menschen können weiterhin auf die Unterstützung jüngerer zählen, wenn auch die Zahl der Nachkommen durch den demografischen Wandel schrumpft. Umgekehrt unterstützen auch Ältere die Jüngeren, zum Beispiel durch finanzielle Hilfen oder Kinderbetreuung.

 

Die Älteren wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. Sie lassen ihre Wohnungen altersgerecht gestalten, lassen sich von ambulanten Diensten unterstützen. Deshalb wird die „Lebensform Heim“ immer mehr Sache von Hochbetagten und Hilfe- bzw. Pflegebedürftigen. Gleichzeitig entstehen zunehmend Mehrgenerationenprojekte. Das Bewusstsein (notwendiger) gegenseitiger Unterstützung entwickelt sich mit der alternden Gesellschaft.

 

Text: Prof. Dr. Gertrud M. Backes, Universitätsprofessur für Altern und Gesellschaft, ist Leiterin des gleichnamigen Forschungszentrums an der Universität Vechta. Prof. Dr. Wolfgang Clemens, Professor für Soziologie, ist am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin tätig.

 

 

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