Der tägliche Kampf mit den Hausaufgaben
„Hausaufgaben-Hölle" nannte Petra Plaum (39) den täglichen Wahnsinn am Nachmittag lange. Inzwischen ist sie etwas gelassener, wenn sie mit Amelie (9) und den Zwillingen Pauline und Johanna (8) Aufsätze interpretiert und über Matheaufgaben brütet. Die freie Journalistin aus Donauwörth über gute Vorsätze, Wutanfälle und Leistungsdruck.
Mit meiner Amelie ging es mit den Hausaufgaben erst mal total locker los. Ich hatte mir nämlich vorgenommen, ich würde es genauso machen wie meine Mama: Ich würde nachmittags den Kindern ein schönes, warmes Essen hinstellen, würde ihnen die Schreibtische freiräumen oder eine Ecke am Küchentisch, und dann dürften sie sich da auf ihre Hausaufgaben konzentrieren. Und ich würde einfach gucken, dass es keinen Streit gibt. Bei Amelie hat es auch ganz toll geklappt. Sie kam rein, hat Hausaufgaben gemacht, und es gab nie ein Problem. Also dachte ich, ich habe den Bogen raus und mache es bei den Zwillingen ganz genauso. Aber dann gingen sie in die Schule - und auf einmal war gar nichts mehr locker.
Denn zum einen hat sich der Lehrplan in diesem einen Jahr nochmal beschleunigt. Und zum anderen taten sich die Kleineren einfach nicht leicht mit dem, was die Lehrerin erklärte. Die Zwillinge gehen in verschiedene Klassen - bei einer gab es immer etwas, was ich erklären musste, weil sie es überhaupt nicht geblickt hatte. Also habe ich ihr geholfen. Dann schrie der nächste Zwilling: Mama, ich verstehe das auch nicht, du musst mir auch helfen! Und irgendwann kam dann auch Amelie: Mama, warum immer nur die Kleinen, ich brauche ebenfalls Hilfe! Das war dann eine Situation, die total heftig war. Anfangs lernte jedes Mädchen im eigenen Zimmer am eigenen Schreibtisch. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Pauline sich an ihrem eigenen Schreibtisch am besten konzentrieren kann, Amelie und Johanna sitzen am Wohnzimmertisch. Das klappt ganz gut, nur manchmal geht das Gestreite los.
Anfangs rannte ich nur zwischen Kinderzimmern und Küche hin und her
Vom Ablauf her ist es so, dass Amelie, die Viertklässerin, direkt nach der Schule um 13 Uhr nach Hause kommt und zu Mittag isst. Die beiden Drittklässerinnen essen in der Mittagsbetreuung und machen dort einen Teil ihrer Hausaufgaben. Sie kommen gegen 14.45 Uhr nach Hause. Oft haben sie dann noch Hunger So essen wir zusammen, reden auch darüber, wie es in der Schule war. Diese Zäsur tut uns ganz gut.
Gegen 15 Uhr fangen die Kinder dann mit den Hausaufgaben an. Tja, und das hatte ich mir natürlich so vorgestellt, dass jede ihre Sachen selbstständig erledigt und ich die Küche aufräumen und andere Haushaltsangelegenheiten regeln kann, morgens arbeite ich ja. Anfangs rannte ich wie aufgezogen zwischen den Kinderzimmern, der Küche und der Waschküche hin und her. Das lenkte die Kinder aber sehr ab, und ich wurde aggressiv. Inzwischen mache ich Haushaltsdinge vermehrt doch morgens oder später am Abend. Ich akzeptiere, dass ich weniger Stunden für meinen Beruf habe als damals, als die Kinder in den Kindergarten gingen. Das fällt mir nicht leicht, aber ab der fünften Klasse gibt es viel Nachmittagsunterricht, dann werden die Karten ja neu gemischt.
Die Kinder sagen, Hausaufgaben sind doof
Die Kinder sagen, Hausaufgaben sind doof. Sie haben von mir vermittelt bekommen, dass Hausaufgaben einfach gemacht werden müssen, um sich den Stoff aus der Schule besser einzuprägen, um schlau zu werden. Ich habe mit den Lehrerinnen vereinbart, dass wir nach einer Stunde konzentrierten Hausaufgabenmachens - wenn dann immer noch kein Land in Sicht ist - abbrechen. Die Lehrerinnen sind selbst der Meinung, dass so viel Stoff im Normalfall nicht aufgegeben werden sollte. Denn zusätzlich zu den Hausaufgaben müssen die Kinder ja auch noch vorlesen, das Einmaleins üben und Stoff wiederholen. Das Problem ist, dass sich bei uns die Hausaufgaben letztendlich doch oft bis fünf oder halb sechs ziehen. Denn eine Stunde, das heißt ja eine Stunde pro Kind!
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