Porträt: Kevin Böttcher, 20 Jahre
Die Eisenplatten sind schwer, und die Haustechnikwerkstatt im Don Bosco Zentrum Berlin liegt im ersten Stock. „Das ist schon harte Arbeit, die Dinger hierher zu schleppen", sagt Kevin Böttcher. Doch aufgeben ist für den 20-Jährigen nicht drin. Diesmal nicht. Er will endlich etwas machen aus seinem Leben, eine Zukunft haben, eine Ausbildung, einen Job.
Vor vier Jahren sah das noch ganz anders aus. Damals, in der Hauptschule, hatte Kevin keine Lust, sich anzustrengen. „Ich hatte keinen Bock auf Schule - also bin ich auch nicht hingegangen", erklärt er. Nach der achten Klasse war Schluss, einen Abschluss hatte der damals 16-Jährige nicht. Aber wirklich gestört hat ihn das auch nicht. Er lebte von Harzt IV, wohnte in der Plattenbauwohnung seiner Eltern, blieb den halben Tag im Bett liegen und zog bis spät in die Nacht mit seinen Freunden herum. „Denen ging es ja auch nicht anders als mir. Die haben auch einfach nichts gemacht."
Vier Jahre lang hatte Kevin sich abgeschrieben. Dann bekam sein Stiefvater einen Job bei einer Sicherheitsfirma, und plötzlich wurde dem Schulabbrecher klar, dass er mehr aus seinem Leben machen wollte. Er hatte Glück: Die Agentur für Arbeit vermittelte ihm einen Platz im Projekt „Schule auf Rädern" der Manege gGmbH im Don Bosco Zentrum Berlin. Hier will er seinen Schulabschluss nachmachen und dann einen Job suchen. „Am liebsten als Lastwagenfahrer oder als Lagerist", sagt Kevin. Er weiß, dass es bis dahin ein weiter Weg ist, aber diesmal ist er fest entschlossen, nicht auf halber Strecke aufzugeben - auch wenn es hart wird wie bei der Schlepperei mit den Eisenplatten.
Porträt: Marvin Mohr, 20 Jahre
Staub liegt in der Luft. Bohrer und Schleifmaschine dröhnen. Vorsichtig streicht Marvin Mohr über das Stück Holz in seiner Hand. Es fühlt sich glatt und weich an. Marvin lächelt zufrieden. Seit September arbeitet der 20-Jährige in der Tischlerwerkstatt in der Manege gGmbH im Don Bosco Zentrum Berlin. Jeden Tag pünktlich hier zu erscheinen und von halb neun Uhr morgens bis halb vier nachmittags konzentriert zu arbeiten, ist eine völlig neue Erfahrung für ihn. „Das normale Leben war für mich: aufstehen, wann ich will und den ganzen Tag mit Freunden rumhängen, Party machen, chillen und saufen“, erzählt er.
Die Hauptschule hat Marvin nach der achten Klasse abgebrochen. Damals war er 16 und seine zehn Pflichtschuljahre waren vorbei. Vermutlich hätte es auch keinen Sinn gehabt, ihn weiter auf die Schule zu schicken. „Es hat sowieso immer Stress gegeben, weil ich so hyperaktiv war und oft gar nicht erst hingegangen bin“, erzählt Marvin. Nach dem Schulabbruch konnte er ein Berufsvorbereitungsjahr machen – doch zwei Monate vor dem Abschluss warf er wieder alles hin, lebte stattdessen von Hartz IV, zoffte sich mit seinen Eltern, schlief lang und hing den Rest des Tages mit Freunden herum. Dann vermittelte ihm die Agentur für Arbeit einen Platz in den Werkstätten des Don Bosco Zentrums. Doch auch diesmal hielt Marvin nicht lange durch. Er schwänzte, bekam Ärger, flog aus der Maßnahme heraus. Wieder landete er in Hartz IV.
„Als ich ganz unten war, da hab ich endlich kapiert, dass ich was tun muss“, sagt Marvin. Und noch einmal hat er in der Manege eine Chance bekommen: Im Projekt „Schule auf Rädern“ will er jetzt seinen Hauptschulabschluss nachmachen. Diesmal will er es wirklich schaffen. Die alten Freunde hat er aufgegeben. Jeden Tag steht er pünktlich in der Tischlerwerkstatt, feilt und sägt und hofft, dass er sein Leben endlich in den Griff bekommt.
Text: Claudia Klinger, Fotos: Noel Fäskorn
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