Wir schaffen das!
Kevin Böttcher und Marvin Mohr haben die Hauptschule abgebrochen. Im Projekt „Schule auf Rädern" der Manege gGmbH im Don Bosco Zentrum Berlin wollen sie jetzt ihren Hauptschulabschluss nachholen. Das DON BOSCO magazin sprach mit ihnen über eigene Fehler, falsche Freunde und einen neuen Anfang.
Was ist das Projekt „Schule auf Rädern"?
Marvin Mohr: Man geht immer abwechselnd eine Woche in die Schule und dann wieder zwei Wochen arbeiten. Das Arbeiten funktioniert wie ein Praktikum, nur halt in der Manege im Don Bosco Zentrum statt in irgendeinem Betrieb. Wir fangen um acht mit Frühstück an und so ab halb neun geht's dann mit Arbeiten los - bis halb vier. Nach den zwei Wochen geht's für eine Woche in die Schule. Nicht in Berlin, sondern in Thüringen, in Heiligenstadt. Die meisten aus unserer Gruppe haben ja früher Schule geschwänzt, und das geht dort nicht, weil man sich nicht auskennt und gar nicht weiß, wo man sonst hingehen könnte. Wir sind sieben Leute in der Gruppe und fahren immer zusammen mit einem Betreuer in einem Kleinbus nach Heiligenstadt. Da wohnen wir dann in der Villa Lampe - das ist so was Ähnliches wie das Don Bosco Zentrum in Berlin. Und von da aus gehen wir halt jeden Tag in die Schule. Das ganze Projekt dauert ein Schuljahr, und am Ende kriegt man dann den Hauptschulabschluss.
Warum habt ihr euch entschieden, bei„Schule auf Rädern" mitzumachen?
Kevin Böttcher:
Weil ich einen Schulabschluss brauche. Ohne Schulabschluss kriege ich keine Arbeit.
Marvin: Ich war vorher im offenen Bereich der Manege. Das ist so für Jugendliche, um erst mal wieder einen festen Tagesablauf zu bekommen. Als ich gehört habe, dass man hier einen Schulabschluss machen kann, wollte ich das auch, weil man einen Abschluss unbedingt braucht. Der begleitet einen das ganze Leben.
Warum hat es auf der Hauptschule mit dem Abschluss nicht geklappt?
Marvin:
Keine Ahnung, irgendwie hatte ich keinen Bock und habe dann halt geschwänzt und so. Und dann haben einen die Freunde mitgezogen. Wenn die sagen: „Scheiß auf Schule, lass uns mal da und dort hingehen" - dann geht man halt mit.
Kevin: Bei mir war das genauso. Ich hatte keinen Bock, habe ziemlich oft geschwänzt und bin lieber mit Freunden rumgehangen. Und so mit 16 habe ich die Schule dann geschmissen. Das war in der achten Klasse. Dann habe ich erst mal vier Jahre nichts gemacht, habe Hartz IV gekriegt und halt immer lang geschlafen und so. Aber irgendwann wurde das langweilig immer nur zu Hause. Und als ich gesehen habe, dass mein Stiefvater arbeitet, habe ich beschlossen, dass ich auch Arbeit brauche und dazu halt erst mal den Abschluss.
Warum glaubt ihr, dass ihr es diesmal schaffen könnt?
Marvin:
Wenn du wirklich kapiert hast, dass du einen Schulabschluss brauchst, dann ist es schon einfacher, durchzuhalten, weil du dann immer im Kopf hast, dass du deinen Abschluss willst. Und du weißt: Dafür musst du arbeiten. Also gehst du dann auch arbeiten.
Kevin: Und wenn man Probleme hat, dann ist hier in der Manege immer jemand da, mit dem man drüber reden kann und der einem hilft - es ist ja auch samstags und sonntags offen. Da kann man immer herkommen und quatschen und alles.
Marvin: T
otal gut ist auch, dass die Schule nicht in Berlin ist, sondern in Heiligenstadt. Wenn die Schule in Berlin wäre, wäre man gleich wieder am Schwänzen, weil man lieber zu seinen Freunden gehen würde und so. Aber in Heiligenstadt kennt man ja kaum einen. Da kommt man gar nicht erst auf die Idee, woanders hinzugehen. Kevin: Mit den Freunden von früher hab ich kaum mehr Kontakt. Das ist wichtig, damit man wirklich neu anfangen kann. Sonst ziehen die einen immer wieder mit.
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