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Eine kleine, heile Welt aus Holz

Wer verstehen möchte, warum Weihnachtskrippen die Menschen bis heute begeistern, der ist in der kleinen Werkstatt von Tobias Haseidl genau richtig. Denn hier schnitzt der Oberammergauer Holzbildhauermeister pausbäckige Jesuskinder und jubelnde Engel. Aus Moos, Gips und Holz erschafft er stimmungsvolle Landschaften. Das DON BOSCO magazin durfte dem 46-Jährigen bei der Arbeit über die Schulter schauen.

 

Holzschnitzer Tobias Haseidl in seiner Werkstatt

Große Reden schwingen ist seine Sache nicht. Er mag es nicht, sich selbst zu verkaufen. Tobias Haseidl weiß, was er will und kann, und das genügt. Er lässt seine Figuren für sich sprechen. Der 46-jährige Holzbildhauermeister steht in seiner kleinen Werkstatt, dem ehemaligen Hühnerstall seines Elternhauses, und schnitzt. Seine Arbeit ist auf Augenhöhe in einen Schraubstock eingespannt, sodass das Sonnenlicht im geeigneten Winkel auf sie fällt. Vorsichtig, aber bestimmt setzt Haseidl das Schnitzeisen an die Schulterpartie eines Jesuskindes aus Zirbelkiefer. Ein Schnitt, kleine Späne fallen, ein prüfender Blick. Dann setzt er das Werkzeug wieder an. Schnitt für Schnitt schälen sich die Konturen des hölzernen Babykörpers aus der grob vorgearbeiteten Figur.


Tobias Haseidl gehört zu den ganz Großen, wenn es um das Holzschnitzerhandwerk in Deutschland geht. Seine Werke stehen in Kirchen und Museen. Er schuf eine überlebensgroße Statue für das Bühnenbild von Christian Stückls Jedermann-Inszenierung in Salzburg und einen Babykopf für die Dauerausstellung im Geburtshaus von Wolfgang Amadeus Mozart. Auch die Patrona Bavariae, die 2006 der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber Papst Benedikt XVI. bei dessen Bayernbesuch überreichte, stammt von Tobias Haseidl.

 

Eine Krippe ist wie eine Eisenbahn - eine ganze kleine Welt

 

Besonders angetan hat es Haseidl, der aus einer alteingesessenen Oberammergauer Holzschnitzerfamilie stammt, die Gestaltung von Krippen. „Eine Krippe ist wie eine Eisenbahn", sagt er. „Man kann sie aufbauen, immer wieder was Anderes machen, Positionen verändern." Vor allem aber gefalle ihm, dass man „eine ganze kleine Welt abbilden kann". Und das tut der Handwerker mit viel Leidenschaft und Kreativität. Einmal hat er Dutzende Olivenbaumwurzeln, die er im Südfrankreich-Urlaub zufällig entdeckt hat, in den Kofferraum geladen und dann auf seinen Krippenbergen eingebaut, um eine mediterrane Stimmung zu erzeugen. Oder er schreddert Moos in einer alten Moulinex-Küchenmaschine und klebt es auf seine künstlichen Landschaften.


Die Figuren werden aus Linde oder Zirbelkiefer hergestellt. Da das Kiefernholz mit der Zeit stark nachdunkelt, verwendet Haseidl normalerweise Lindenholz. Zumal zurzeit naturbelassene oder höchstens lasierte Figuren im Trend sind. Für bemalte Krippen wie die Gruppe, die Haseidl gerade fertigt, um daran neue Positionen und Körperhaltungen auszuprobieren, nimmt er die Zirbelkiefer. Beliebt sind außerdem kaschierte Krippen, bei denen die Figuren nackt geschnitzt und dann mit Stoff en, die zuvor in einer Grundierung getränkt wurden, bekleidet werden.

 

Die Figuren strahlen Zufriedenheit aus


„Wichtig ist, dass man eine schöne Aussage macht, dass es gut ausschaut", beschreibt Haseidl das Hauptziel seiner Krippengestaltung. Und bei der Motivwahl vertritt er die Linie: „Die Darstellung ist schlicht, nicht ganz so opulent. Und die Figuren strahlen Zufriedenheit aus." Zufriedenheit ist es auch, was der Holzschnitzer selbst verkörpert. Wenn Tobias Haseidl zwischen Schnitzwerkzeug, Stoffresten, Leimfläschchen und unzähligen Figuren und Modellen von seiner Arbeit spricht, dann erweckt er den Eindruck, dass er mit sich und seinem Leben im Reinen ist. Was allerdings nicht heißt, dass der Handwerker es sich in seiner Werkstatt gemütlich macht und sich nicht darum schert, was draußen geschieht. Im Gegenteil. Während der Arbeit hört er fast ständig anspruchsvolle Musik- und Informationssendungen im Radio.

 

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