Mein Engel im Advent
Engel haben Hochkonjunktur. Nicht nur in der Weihnachtszeit. Schade eigentlich, dass sie oft nur als Wohnungsschmuck verwendet werden. Denn die geflügelten Wesen gehören zu wichtigen Botschaftern des Glaubens. Laden Sie in der Adventszeit die Engel in ihr Leben ein!
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er kennt sie nicht: die Cherubini von Rafael. Das ganze Jahr über begegnen sie uns auf Geschenkpapier, auf Glückwunschkarten, Geschirr und allen möglichen Gegenständen. Besonders im Advent beginnt die Saison aller Engel. Mehr oder weniger kitschig, in weiß oder bunt, aus Stein oder Kunststoff erobern sie die Wohnungen.
Wie schade, wenn Engel nur zu Dekorationszwecken interessant sind! Ihre Darstellung soll uns erfreuen – uns aber besonders an die Funktion der Engel erinnern, denn sie gehören zu den Grundlagen des Glaubens. In der Bibel wird ganz selbstverständlich von Engeln gesprochen. Sie bekommen ihre Aufgabe von Gott und führen seinen Auftrag aus. Sie überbringen Botschaften, Ermahnungen, warnen oder versprechen Hilfe. So schrieb Papst Benedikt XVI.: „Der Schutzengel ist gleichsam der persönliche Gedanke, mit dem Gott mir zugewandt ist.“
Die Engel in unser Leben einladen
Dieser persönliche Gedanke ist genau das, was für Kinder so wichtig ist. Sie wachsen in eine Welt hinein, die verwirrend ist und ihnen oft Angst macht. Eltern haben meist wenig Zeit. Hektik und ein unregelmäßiger Tagesablauf ohne Struktur verunsichern die Kinder. Deshalb sind Rituale so wichtig: Sie haben feste Abläufe und Regeln und halten damit einen wichtigen Orientierungsrahmen für das Kind bereit. Ein anderer wichtiger Aspekt: Eltern haben die Möglichkeit, mit Ritualen ihren Glauben sichtbar zu leben: wenn sie mit den Kindern beten, singen, basteln, vorlesen, den Gottesdienst besuchen. Bevor wir unseren Kindern von den Engeln erzählen, müssen wir Erwachsene sie zuerst in unser eigenes Leben einladen. Der heilige Johannes Bosco schreibt dazu: „Der Wunsch unseres Schutzengels, uns zu helfen, ist weit größer als der, den wir haben, uns von ihm helfen zu lassen.“ Kinder haben weit weniger Berührungsängste als wir Erwachsene. Manche berichten, sie hätten schon einmal einen Engel gesehen. Und sie erzählen, diese würden ein weißes Kleid tragen, hätten Flügel und würden von selbst leuchten.
So unvoreingenommen Kinder sind, dürfte es nicht schwer sein, Engel zu einem Teil unserer Familienrituale werden zu lassen. Das kann beim Aufwachen beginnen: Nach dem Morgengebet folgt ein Engellied, bei dem besonders auf den Schutz eingegangen wird, zum Beispiel das Engellied, das mit den Worten beginnt: „Erwache ich am Morgen früh, dann kann ich sicher sein, mein Engel, der ist stets bei mir und lässt mich nie allein.“
Es gibt viele Möglichkeiten, gemeinsam mit den Kindern einen Engel zu basteln. Damit können sie symbolisch den Schutz des Engels weitergeben und den Beschenkten daran erinnern, dass er nie alleine ist und immer einen Engel an seiner Seite hat. Die Zeit beim Basteln eignet sich wunderbar für Gespräche. Wie erstaunt sind wir Erwachsene dann über die Gedanken, die sich unsere Kinder machen. Oft sind sie uns voraus – besonders in ihrem großen Vertrauen und in ihrer Zuversicht.
Lassen Sie sich inspirieren!
Die Advents- und Weihnachtszeit unterscheidet sich sehr stark von allen anderen Wochen des Jahres. Nie sind Stress und Anspannung unter Erwachsenen so hoch, nie sind die Erwartungen und der Druck intensiver als in diesen Wochen. Warum nur? Kommt die Advents- und Weihnachtszeit etwa aus heiterem Himmel? Warum lassen wir uns derart manipulieren? Muss es in diesem Jahr unbedingt ein blau geschmückter Christbaum sein? Und darf an Heiligabend auch ein einfaches Essen auf den Tisch kommen, auch wenn in Zeitschriften Drei-Gänge-Menüs vorgestellt werden? Engel sind auf jeden Fall zu dieser Jahreszeit überall präsent. Wir könnten dieses Jahr einmal versuchen, ihre Gegenwart in Schaufenstern, Prospekten und auf Weihnachtskarten als Gedankenstütze zu verwenden: Wenn ich ihn darum bitte, schenkt mir mein Engel die richtige Einsicht zwischen dem, was in der Advents- und Weihnachtszeit dringend nötig ist und dem, was ich nicht brauche und nicht tun muss. Was ich dafür bekomme? Zeit! Das Allerwichtigste, was eine Familie für sich selbst braucht, ist Zeit, um zu singen, um miteinander Geschenke zu basteln, um miteinander zu backen und vorzulesen.
Text: Stephan Janetzko / Christa Baumann
Fotos: iStock
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